Wissensdatenbank: Instrumentenkunde für die Praxis

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Die Trompete – Trompeten, Trigger und Tragödien

Im Folgenden wollen wir uns mit dem hohen Blech des Blasorchesters beschäftigen, insbesondere der Trompete (in B). Die diskutierten Fragestellungen gelten analog meist auch für das verwandte Cornet (in B) und das Flügelhorn (in B), so dass alle drei Instrumente synonym behandelt werden. In meinen Ausführungen gehe ich immer von der transponierenden Notation der Trompete aus, wie wir sie aus den gängigen Blasorchesterpartituren kennen.

Die erste Orchesterstelle ist der dritte Takt nach Buchstabe G im ersten Satz der »Second Suite in F« von Gustav Holst (siehe Abbildung 1). In diesem Takt finden wir auf dem ersten Schlag einen klingenden F-Dur-Akkord vor, an dem sich das zweite Cornet mit einem notierten d’ beteiligt. Dieser Ton ist die Quinte des Akkords und sollte rein zum klingenden f und f’ stimmen, die den Grundton beziehungsweise die Oktave dazu darstellen. Dies ist in der Praxis zunächst aber leider nicht immer der Fall, da das d’ oft zu hoch erklingt. Warum ist das so und wie können wir dieses Problem lösen? Zunächst wollen wir uns dazu kurz die Funktionsweise der Trompete in Erinnerung rufen. Im physikalischen Sinne ist das Instrument nichts anderes als eine Röhre, auf der durch die Schwingung der Lippen des Bläsers ein Ton erzeugt werden kann. Der Grundton dieser Röhre, der erste Naturton, ist dabei das notierte c. Dieser Ton spricht allerdings aus Gründen der Mensur nicht an und ist nur als Pedalton zu erreichen. Durch das Überblasen dieser Röhre können weitere Töne erzeugt werden. Das Mundstück der Trompete ist dabei aus physikalischer Sicht für den Überblasvorgang nicht notwendig, erleichtert diesen aber und trägt zur gewohnten Klangqualität bei. Ein guter Bläser ist normalerweise in der Lage, die Röhre bis zum achten Naturton zu überblasen. Es entsteht dabei die in Abbildung 2a) dargestellte Grundnaturtonreihe. Der siebte Naturton, die Naturseptime, ist ungefähr einen Halbton zu tief und kann im Stimmungssystem unserer Tage nicht verwendet werden. Aus diesem Grund sind in Abbildung 2 daher jeweils auch nur die Naturtöne eins bis sechs und acht dargestellt. Außerdem sind zur Übersicht noch die jeweiligen Griffe angegeben.

Trompete Holst
Abbildung 1: Second Suite in F (G. Holst), 1. Satz

Im modernen Blasorchester spielen die Trompeten natürlich mehr als sieben verschiedene Töne. Wie erhalten wir nun unseren gewohnten Tonumfang der Trompete? Wir wissen aus der Instrumentenkunde, dass das erste Ventil einen Naturton der Grundnaturtonreihe um zwei Halbtöne erniedrigt. Das zweite Ventil erniedrigt einen Naturton der Grundnaturtonreihe um einen Halbton. Einen um drei Halbtöne tieferen Naturton in Bezug zur Grundnaturtonreihe bekommen wir durch die Betätigung des dritten Ventils. Wir erhalten insgesamt also drei weitere neue Naturtonreihen (siehe Abbildung 2b bis 2d). Damit kann die Lücke zwischen dem fünften und sechsten Naturton der Grundnaturtonreihe geschlossen werden.

Trompete Naturtonreihen
Abbildung 2: Naturtonreihen
Trompete Grifftabelle
Abbildung 3: Grifftabelle
Ventilkombinationen

Natürlich können wir die Ventile auch in Kombinationen verwenden. Wollen wir einen Naturton der Grundnaturtonreihe um eine große Terz erniedrigen, so verwenden wir die Ventilkombination 23. Die Erniedrigung eines Naturtons der Grundnaturtonreihe um eine reine Quart erreichen wir mit der Ventilkombination 13. Mit der Ventilkombination 123 erhalten wir die Erniedrigung eines Naturtons um einen Tritonus in Bezug zur Grundnaturtonreihe. Es entstehen so also erneut drei weitere neue Naturtonreihen (siehe Abbildung 2e bis 2g). Wir sind jetzt in der Lage, die Lücken zwischen dem vierten und fünften, dem zweiten und dritten und dem sechsten und achten Naturton der Grundnaturtonreihe zu schließen. Die Verwendung dieser Ventilkombinationen ermöglicht also die Chromatik auf dem gesamten Tonumfang der Trompete. Insgesamt ergibt sich die in Abbildung 3 (Seite 44) dargestellte Grifftabelle für die Trompete. Die fett formatierten Griffe sind die Hauptgriffe, die weiteren sind Hilfsgriffe, die uns unter bestimmen Umständen, wie wir später sehen, gute Dienste erweisen.

Problemfeld 1

Diese Benutzung der Ventile in Kombination ist nun aber zugleich auch das erste von zwei Grundproblemen der Trompete in Bezug auf die Intonation im Orchester. Die Länge des Ventilzuges am ersten Ventil ist exakt auf die Grundrohrlänge der Trompete berechnet. Wie oben beschrieben, verlängert es diese so, dass eine exakt um einen Ganzton tiefere Naturtonreihe entsteht. Benutzen wir das erste und dritte Ventil aber in Kombination, so erhält unsere Trompete bereits durch das Betätigen des dritten Ventils eine neue – wesentlich längere – Grundrohrlänge. Nehmen wir dann noch das erste Ventil hinzu, so ist die Länge des Ventilzuges am ersten Ventil etwas zu kurz, um das Instrument so zu verlängern, dass wieder eine exakt um einen Ganzton tiefere Naturtonreihe entsteht. Es fehlt also etwas Rohrlänge, weil wir durch die Benutzung des dritten Ventils von einer längeren Grundrohrlänge ausgehen.

Lösung Problemfeld 1

Wir erinnern uns jetzt wieder an unseren zu hohen Ton d’ aus der »Second Suite in F« von Gustav Holst. Wie wir nun wissen, wird dieser Ton mit 13 gegriffen. Wir haben gesehen, dass bei dieser Griffkombination eine gewisse Rohrlänge fehlt. Aus der Physik wissen wir nun, dass ein kürzeres Rohr eine höhere Frequenz besitzt. Aus diesem Grund wird unser d’ im heute üblichen Stimmungssystem also zu hoch sein. Wie können wir dieses Problem nun lösen? Nahezu alle Trompeten haben einen Triggerzug, mit dem die fehlende Rohrlänge hinzugefügt werden kann, so dass die Töne, die mit Griffkombinationen gespielt werden, mit korrekter Intonation gespielt werden können. Bei der Ventilkombination 13 muss der Triggerzug um ungefähr einen Zentimeter und bei der Ventilkombination 123 um zwei Zentimeter ausgefahren werden. Bei diesen Zahlen handelt es sich um durchschnittliche Erfahrungswerte, die bei jedem Instrument stets mit einem Stimmgerät kontrolliert werden müssen. Bei Trompeten in amerikanischer Bauweise (Pumpventile) sind in der Regel am dritten und ersten Ventil Triggerzüge vorhanden, die mit dem kleinen Finger beziehungsweise dem Daumen der rechten Hand bedient werden. Bei Instrumenten in deutscher Bauweise (Drehventile) ist in der Regel nur am dritten Ventil ein Triggerzug vorhanden, der mit dem Daumen der linken Hand bedient wird. Nun kann man sich die Frage stellen, wie sich die Töne g und fis von der Intonation her verhalten. Beide werden, wie das d’ und das cis’, mit 13 beziehungsweise 123 gegriffen und wir könnten mit der bisher verfolgten Argumentation behaupten, dass diese ohne Verwendung des Triggers zu hoch sein müssten. Aufgrund der Mensur stellen diese beiden Töne jedoch eine Ausnahme dar. Bei ihnen darf in keinem Fall ein Triggerzug benutzt werden, da sie sonst viel zu tief sind. Interessant ist auch die Ventilkombination 23, bei der üblicherweise auch kein Trigger zum Einsatz kommt. Der Grund: Das dritte Ventil – das bei regulärer Spielweise einzeln eigentlich nie betätigt werden muss – wird generell etwas länger gebaut, damit gerade diese Ventilkombination gut stimmt und um die Probleme, die bei der Verwendung von Griffkombinationen entstehen, allgemein etwas zu verringern. Verfolgt man diese Argumentationslinie weiter, so müsste dann auch die Ventilkombination 12 etwas zu hoch sein. Da die Ventilzüge am ersten und zweiten Ventil aber relativ kurz sind, kommt das Problem der fehlenden Rohrlänge hier noch nicht wirklich zum Tragen.

Trompete Armenische
Abbildung 4: Armenische Tänze (Reed)
Problemfeld 2

So kunstvoll die Werke Alfred Reeds geschrieben sind, so schwierig sind sie häufig auch zu spielen. Neben vielen schlagtechnischen Herausforderungen für den Dirigenten enthalten sie auch für das Orchester einige Problemstellen hinsichtlich der Intonation. In seinem Werk »Armenische Tänze« (Teil 1) taucht gleich im ersten Takt eine interessante Stelle in den Trompeten auf. In der ersten bis dritten Trompete liegt ab dem zweiten Sechzehntel ein notierter D-Dur-Akkord, der mit dem Akkord in den Posaunen die tonale Basis C-Dur (klingend) bildet.

Aus der Intonationslehre wissen wir, dass das Rahmenintervall des Akkords, die Quinte a’’ über d’’ rein intoniert werden muss, und dass die Terz des Akkords im Idealfall, in Bezug auf unsere gleichstufig temperierte Stimmung, 14 Cent tiefer intoniert werden muss. Oft zeigt die Praxis, dass das d’’ der Quinte zu tief, und das a’’ der Quinte zu hoch ist. Zudem erklingt die Terz fis’’ meist nicht wie gewünscht tiefer, sondern eher höher.

Grund sind die »Unzulänglichkeiten« der Naturtonreihe an sich. Der fünfte Ton der Grundnaturtonreihe ist im Vergleich zu der heute verwendeten gleichstufig temperierten Stimmung etwas zu tief. Dies gilt natürlich auch für alle fünften Töne der Naturtonreihen, die sich mit den Ventilen, ausgehend von der Grundnaturtonreihe, erzeugen lassen. Der vierte, fünfte und sechste Naturton bilden immer einen Dur-Dreiklang. Der fünfte Ton jeder Naturtonreihe ist also immer eine Terz zum Grundton, die als Naturterz bezeichnet wird. Alle Oberquinten, das heißt alle sechsten Naturtöne, sind im Vergleich zur heute verwendeten gleichstufig temperierten Stimmung etwas zu hoch.

Lösung Problemfeld 2

Wie bekommen wir nun unseren Akkord sauber intoniert? Die Lösung des Problems besteht aus drei Teilen. Erstens: Der Grundton des Akkords (d’’) ist, wie wir jetzt wissen, eine Naturterz und damit ohne Korrektur zu tief. Eine bläserische Korrektur stellt sicher den ersten Lösungsansatz dar. Wenn es dem Musiker gelingt den Ton etwas »höher zu nehmen« ist das Problem gelöst. Oftmals ist das »höher nehmen« eines Tones aber nicht so einfach. Eine weitere Lösungsmöglichkeit wäre der Hilfsgriff 13 und die Verwendung des Triggerzuges. Das Triggern dieser Kombination muss aber gut mit einem Stimmgerät geprobt werden, da das d’’ ansonsten viel zu hoch (zu wenig getriggert) oder zu tief ist (zu viel getriggert). Der Schaden ist in diesem Fall größer als der Nutzen. Zweitens: Das fis’’ als Terz des Akkords kann bläserisch nach unten korrigiert werden. Meist ist das »Fallenlassen« eines Tones für den Bläser leichter.

Ein weiterer Lösungsansatz ist der Hilfsgriff 23. Es wird dabei allerdings der siebte Naturton als Basis benutzt, der wie oben beschrieben, zu tief ist. Es ist aber möglich, mit diesem Hilfsgriff bei der einen oder anderen Musiker-Instrumenten- Kombination ein gutes Resultat zu erzielen. Drittens: Der Hauptgriff für das a’’ ist 12. In der Höhe ist es aber oftmals sinnvoll stattdessen das dritte Ventil zu benutzen. Wir wissen, dass dieses die Grundnaturtonreihe um drei Halbtöne erniedrigt und etwas länger gebaut wird. Diese zusätzliche Rohrlänge ist hier hilfreich und liefert oft ein gut stimmendes a’’, das außerdem auch noch etwas besser anspricht. Die Erklärung liegt darin, dass jedes verwendete Ventil den Anblaswiderstand erhöht. Die Betätigung weniger Ventile entspricht also immer einem geringeren Anblaswiderstand.

Fazit

Für die Intonationsprobleme, die bei der Trompete auftreten können, sind zwei Grundprobleme verantwortlich: die Verwendung von Ventilen in Kombinationen und die »Unzulänglichkeiten« der Naturtonreihe an sich, beziehungsweise deren Unvereinbarkeit in einzelnen Bereichen mit unserem heutigen gleichstufig temperierten Stimmungssystem. Zurückkommend auf den zweiten Absatz der Einleitung haben wir jetzt zumindest das Problem des e’’ lösen können, das einfach nicht zum d’’ der Oboe passen wollte. Eine interessante und weiterführende Fragestellung ist es, in welchen Situationen diese Probleme sogar einen Vorteil bieten und geschickt benutzt werden können. Keine Beachtung haben in meinen Ausführungen bläserische Probleme der Musiker gefunden, wie Ansatzprobleme, Problem bei der Luftführung oder der Atmung. Diese können zu weiteren Problemen führen, die hier nicht erörtert werden können. Die beschriebenen Lösungsvorschläge sind am besten bei Musikern mit solider Ausbildung einsetzbar, so wie sie beispielsweise nach einem mehrjährigen professionellen Musikunterricht erreichbar ist. Ebenfalls außer Betracht gelassen habe ich den Einfluss der Klangfarbe einzelner Instrumente, die ebenfalls eine Wirkung auf die Intonation haben kann.

Taschenkarte für die Intonationskorrektur

Haben Sie sich beim Partiturstudium oder in einer Probe auch schon einmal eine der folgenden Fragen gestellt?

  • Wie verbessere ich die Intonation eines bestimmten Tones im hohen Holz?
  • Wie korrigiere ich die Intonationsprobleme in einer Basslinie vom Fagott, der Bass-Klarinette, dem Bariton-Saxophon und der Tuba?
  • Wie greifen meine Blechbläser an einer bestimmten Stelle?

Dann dürfte meine Taschenkarte für die Intonationskorrektur für Sie interessant sein:

  • Einzigartige Zusammenstellung aller kritischen Töne und Tonumfänge der Instrumente im Blasorchester
  • Lösungsmöglichkeiten und Korrekturvorschläge speziell für Musiker in Amateurorchestern
  • Durch die tabellarische Transpositionsübersicht können Sie schnell und praxisorientiert arbeiten

Habe ich Ihr Interesse geweckt? Dann laden Sie sich hier eine Demoseite herunter. Die komplette Taschenkarte können Sie hier für 12,49 € bestellen:

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