Wissensdatenbank: Instrumentenkunde für die Praxis

Wissensdatenbank: Instrumentenkunde für die Praxis

Die schönsten Saiten eines Blasorchesters

»Entweder man kauft sich ein Instrument – oder ein Haus.« Vor dieser schweren Entscheidung steht der ein oder andere Kontrabassist, wenn es um die Frage geht, ob die Anschaffung eines neuen Instruments in Frage kommt. Bei einer Preisspanne von 500 bis sage und schreibe 500.000 Euro ist für jeden Geldbeutel das passende Instrument dabei. Was verbirgt sich nun hinter dem Kontrabass aus Dirigentensicht? Eine Frage, der es sich lohnt nachzugehen, haben doch viele gute Blasorchester in ihren Konzerten zumindest einen Kontrabass besetzt.

Kontrabässe werden in der Regel mit vier oder fünf Saiten gebaut. In professionellen Orchestern werden normalerweise 5-Saiter verwendet, im solistischen Bereich eher 4-Saiter. Im Amateurbereich sind 4-Saiter üblich, 5-Saiter eher selten. Die Saiten eines fünfsaitigen Instruments sind in den Tönen H1, E, A, d und g gestimmt. Alle in diesem Artikel vorkommenden Notennamen beziehen sich auf die Notation in der Stimme, der reale Klang ist eine Oktave tiefer. Die Saiten des Kontrabasses sind also in Quarten und nicht wie bei den anderen Streichinstrumenten in Quinten gestimmt. Bei einem viersaitigen Instrument ist die tiefste Saite (H1) nicht vorhanden. Die tiefen Töne auf der H1-Saite sind zwar schwierig zu hören, die Klangkraft die von ihnen ausgeht ist aber enorm. Eine berühmte Orchesterstelle hierfür ist die Einleitung zu Richard Strauss’ Meisterwerk »Also sprach Zarathustra«, bei dem die Kontrabassgruppe (acht Kontrabässe) und ein Kontrafagott auf dem C im Pianissimo den Einsatz der Trompeten vorbereiten. Die schwingende Saite reicht vom Sattel bis zum Steg. Der Steg ist dafür verantwortlich, dass die Schwingung auf den Korpus, der den Resonanzkörper darstellt, übertragen wird. Im Korpus ist die sogenannte Stimme verbaut, welche Decke und Boden zusammen schwingen lässt. Das Griffbrett ist meist aus beständigem Ebenholz gefertigt.

Beim Kontrabass wird zwischen deutscher und französischer Bogenhaltung unterschieden. Bei der deutschen Bogenhaltung wird der Frosch von der Seite gegriffen (Abbildung 1), bei der französischen Bogenhaltung wird der Frosch von oben gegriffen (Abbildung. 2). Bei der französischen Bogenhaltung kann sich das Handgelenk etwas freier bewegen, wodurch sich leichte Vorteile beim Legato- und Spiccato-Spiel ergeben können. Die deutsche Bogenhaltung hat den Vorteil, dass mehr Kraft »auf die Saite« gebracht werden kann. Da man sich mit dem ganzen Arm »in die Saite legen kann«, ist ein kräftigerer Ton möglich. Die deutsche Bogenhaltung wird vor allem im deutschsprachigen Raum praktiziert und gelehrt. Die französische Bogenhaltung ist vor allem im französischen und italienischen Sprachraum üblich, während in den englischsprachigen Ländern beide Haltungen Anwendung finden. Beim Wechsel von einer Musikhochschule dieses Sprachraums an eine deutschsprachige Musikhochschule kann es vorkommen, dass ein Student mit französischer Bogenhaltung umlernen muss. Ausnahmen sind bei Studenten möglich, die im Rahmen eines ein- oder zweisemestrigen Austauschs Unterricht erhalten.

Zwischen der Luftführung der Bläser und der Bogenführung beim Kontrabass gibt es gewisse Analogien. Um auf einem Blasinstrument einen schönen Ton zu erhalten, ist es unter anderem notwendig, dass die Luftführung konstant ist. Dieses Prinzip lässt sich auf den Kontrabass übertragen: Um einen schönen und gleichmäßigen Ton zu erhalten, ist es auch hier notwendig, dass der Bogendruck auf die Saiten konstant ist. Dies ist vor allem an der Spitze schwierig. Es erfordert jahrelange Übung, um zu gewährleisten, dass der Bogendruck vom Frosch bis zur Spitze gleichbleibt. Bei einer ungleichmäßigen Bogenführung sackt der Ton oftmals ungewollt ab. Der Bogen ist mit Rosshaar bespannt. Um den Reibungswiderstand zwischen den Saiten und dem Bogen zu erhöhen, muss das Rosshaar regelmäßig mit Kolophonium, einem gelben bis braunschwarzen Baumharz, eingerieben werden.

Abbildung 1: deutsche Bogenhaltung
Abbildung 2: französische Bogenhaltung

Wie wir wissen, sind die Saiten des Kontrabasses in E, A, d und g gestimmt, wobei bei einem fünfsaitigen Instrument zusätzlich noch das H1 vorhanden ist. Damit auf einer Saite nicht nur der Ton gespielt werden kann, in der diese gestimmt ist, gibt es auf jeder der Saiten mehrere sogenannte Lagen. In jeder der Lagen sind drei verschiedene Griffe möglich, die mit den Zahlen 1, 2 und 4 bezeichnet werden. Da sich der Daumen unterhalb des Griffbrettes befindet, ist der Zeigefinger der linken Hand (1) der erste Finger, der die Saite »abgreift«. Durch sein Aufsetzen an der entsprechenden Stelle wird der Ton um einen Halbton erhöht. Das Aufsetzten des Mittelfingers (2) bewirkt, dass sich der Ton um einen weiteren Halbton erhöht. Setzt man nun auch noch den kleinen Finger der linken Hand (4) auf die Saite auf, so erhöht sich der Ton um einen weiteren Halbton. Der Ringfinger der linken Hand (3) wird nicht alleine verwendet. Er wird immer zusammen mit dem kleinen Finger der linken Hand aufgesetzt und hilft dabei die Saite abzugreifen. Bei der Verwendung des Griffes 4 greifen der Zeige- und Mittelfinger – um den kleinen Finger zu unterstützen – auf ihren Griffpositionen die Saite mit ab. Selbiges gilt für den Griff 2, bei dem der Zeigerfinger ebenfalls unterstützend die Saite abgreift. Eine Ausnahme stellt das Vibrato dar: Um beim Schwingen »freier zu sein« und die Amplitude zu erhöhen, werden für diesen speziellen Fall die unterstützenden Finger vom Griffbrett abgehoben.

Am Beispiel der g-Saite wollen wir nun das Lagen- und Griffsystem im Detail betrachten. Mit der Grifffolge 1, 2 und 4 erhalten wir – ausgehend von der leeren g-Saite – die Töne gis (1), a (2) und ais (4). Diese Töne bilden die sogenannte halbe Lage. Platziert man den Zeigefinger der linken Hand nun einen Halbton höher auf dem a (man greift also in Richtung Steg weiter unten auf der Saite), so ergeben sich die Töne der ersten Lage: a (1), ais (2) und h (4). Wird der Zeigefinger um einen weiteren Halbton höher platziert (also tiefer gegriffen), so ergeben sich mit den Tönen ais (1), h (2) und c’ (4) die Töne der zweiten Lage. In der nachfolgenden Tabelle sind alle Lagen und Griffe der g-Saite dargestellt.

Wie man sieht, gibt es volle und halbe Lagen, die auch als Zwischenlagen bezeichnet werden. Wird mit dem kleinen Finger der linken Hand (4) auf der g-Saite ein Ton ohne Vorzeichen gespielt, so handelt es sich bei dieser Lage um eine volle Lage. Im anderen Fall, wenn der kleine Finger der linken Hand also einen Ton mit Vorzeichen greift, wird diese Lage als Zwischenlage bezeichnet. Wir erkennen in Tabelle 1 außerdem, dass ohne Lagen- und Saitenwechsel maximal ein Ganztonschritt möglich ist. Gute Amateurmusiker beherrschen das Lagensystem gewöhnlich bis zur 7. Lage. Das Lagen- und Griffsystem wird von der g-Saite aus definiert und wird davon auf alle weiteren Saiten übertragen.

LageTöne
½ Lagegis (1) – a (2) – ais (4)
1. Lagea (1) – ais (2) – h (4)
2. Lageais (1) – h (2) – c‘ (4)
2 ½. Lageh‘ (1) – c‘ (2) – cis‘ (4)
3. Lagec‘ (1) – cis‘ (2) – d‘ (4)
3 ½. Lagecis‘ (1) – d‘ (2) – dis‘ (4)
4. Laged‘ (1) – dis‘ (2) – e‘ (4)
5. Lagedis‘ (1) – e‘ (2) – f‘ (4)
5 ½. Lagee‘ (1) – f‘ (2) – fis‘ (4)
6. Lagef‘ (1) – fis‘ (2) – g‘ (4)
6 ½. Lagefis‘ (1) – g‘ (2) – gis‘ (4)
7. Lageg‘ (1) – gis‘ (2) – a‘ (4)

Ab der 7. Lage (Oktavlage) wird in der sogenannten Daumenlage weitergespielt und gegriffen. Bei der Daumenlage wird der Ringfinger jetzt auch alleine verwendet. Allerdings kann man den kleinen Finger nicht mehr benutzen, da dieser in der Regel das Griffbrett nicht mehr erreichen kann. Es gibt damit pro Lage also vier greifende Finger: Daumen (D), Zeigefinger (1), Mittelfinger (2) und Ringfinger (3). Pro Lage unterscheidet man zusätzlich drei Streckungen der Hand, für die es aber keine einheitliche Bezeichnung gibt. Bei der ersten Streckung befindet sich zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger ein Halbton (Abbildung 3). Es ergeben sich damit die folgenden Griffe: g’ (D), gis’ (1), a’ (2) und ais’ (3). Diese Streckung wird wegen der zugrundeliegenden Skala als chromatische oder enge Griffposition bezeichnet. Liegt zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger ein Ganzton, so handelt es sich um die zweite Streckung (Abbildung 4). Diese ist als halbchromatische oder natürliche/mittlere Griffposition bekannt. Mit ihr ergeben sich die Töne g’ (D), a’ (1), ais’ (2) und h’ (3). Die dritte Streckung umfasst zwischen dem Daumen und Zeigefinger eine kleine Terz (Abbildung 5) und wird als diatonische oder weite Griffposition bezeichnet. Bei dieser Haltung der Hand werden die Töne g’ (D), ais’ (1), h’ (2) und c’’ (3) gegriffen. Die Töne der 2. bis 5. Daumenlage, gegriffen mit der chromatischen Griffposition, sind in der folgenden Tabelle dargestellt.

Lage (immer chromatische Griffposition)Töne
2. Daumenlagegis' (D) – a‘ (1) – ais‘ (2) – h‘ (3)
3. Daumenlagea‘ (D) – ais‘ (1) – h‘ (2) – c‘‘ (3)
4. Daumenlageais‘ (D) – h‘ (1) – c‘‘ (2) – cis‘‘ (3)
5. Daumenlageh‘ (D) – c‘‘ (1) – cis‘‘ (2) – d‘‘ (3)

Mit den oben aufgeführten Daumenlagen ergibt sich ein Tonumfang von 1,5 Oktaven pro Saite. Auf der g-Saite heißt das, dass also der Tonbereich vom g bis d’’ abgedeckt wird. Die H1-, E-, A- und d-Saite haben einen entsprechenden Tonumfang. Theoretisch gibt es so viele Daumenlagen wie das Griffbrett Platz bietet (je nach Instrument zwischen 12 und 15 Lagen). In der Praxis wird allerdings meist nur bis zur 8. Daumenlage gespielt, womit sich ein Tonumfang von zwei Oktaven pro Saite ergibt. Die Daumenlagen sind allgemein schwer zu greifen und erfordern – selbst von guten Profis – viel Übung. Durch die Verwendung der Lagen und Griffe wird unter anderem der Tonraum zwischen den einzelnen Saiten aufgefüllt, so dass der Kontrabass vom H1 bis d’’ durchgängig chromatisch spielbar ist.

Abbildung 3
Abbildung 4
Abbildung 5

Beim natürlichen Flageolett wird ein Finger auf einem Schwingungsknoten einer leeren Saite aufgesetzt. Der Finger wird dabei nur auf der Saite aufgelegt und drückt diese nicht komplett auf das Griffbrett herunter. Im Gegensatz zum »festen Greifen« wird die Saite bei Flageolett-Griffen nicht verkürzt, sondern schwingt auch hinter dem aufgesetzten Finger. Halbiert man die Saite, so entsteht ein Ton eine Oktave höher, also der 1. Oberton. Wird die Saite gedrittelt, so entsteht der 2. Oberton darüber (Oktave + Quinte). Viertelt man die Saite, so erhält man den 3. Oberton darüber (zwei Oktaven). Das Flageolett kann sowohl in Richtung des Griffbretts (Kontrabassisten sagen dazu »nach unten«) oder in Richtung des Stegs («nach oben«) gegriffen werden. Es ist also nicht wichtig, ob die Saite am obersten (Richtung Sattel) oder untersten Schwingungsknoten (Richtung Steg) geteilt wird. Die Variante in Richtung Sattel ist in Bezug auf das Finden des korrekten Aufsetzpunktes für den Finger grifftechnisch einfacher, da es einen Zusammenhang zwischen »festen Griffen« und Flageolett-Griffen gibt. Dies wollen wir uns am Beispiel der g-Saite veranschaulichen: Setzt man den Finger an der Stelle der gegriffenen Oktave (g’) der Saite auf, so entsteht der 1. Oberton der Saite (g’). Um den 2. Oberton der Saite (d’’) zu erhalten, setzt man den Finger an der Stelle der gegriffenen Quinte (d’) auf. Der 3. Oberton der Saite (g’’) ergibt sich, indem man den Finger an der Stelle der gegriffenen Quarte (c’) aufsetzt.

Das natürliche Flageolett spricht auf dem Kontrabass gut an und wird vor allem auf der g- und d-Saite verwendet. Flageoletts auf den tieferen Saiten kommen in Ausnahmefällen nur in Werken des 20. Jahrhunderts vor. Es gibt zwei Arten der Notation für natürliche Flageoletts: Bei der ersten wird die Note als Raute notiert. Diese Notation gibt an welcher Ton gegriffen werden muss. Bei der zweiten Notationsart wird über der Note ist ein kleiner Kreis notiert. In diesem Fall wird angegeben, welcher Ton mit Flageolett erklingen soll. Beim künstlichen Flageolett wird ein Ton gegriffen und dann ein weiterer Finger lose aufgesetzt. Das künstliche Flageolett ist auf dem Kontrabass nur eingeschränkt verfügbar. In tiefen Lagen ist der Terz-, Quart- und Quintgriff nicht möglich. Auf der g-Saite können künstliche Flageoletts im Quartgriff ausgeführt werden. Der Ton, der gegriffen werden soll, wird als normaler Notenkopf angegeben. Der Ton des lose aufgesetzten Fingers wird als rautenförmiger Notenkopf angegeben. Oft wird in Klammern zusätzlich der erklingende Ton angegeben.

Zunächst unterscheiden wir die Spielarten »arco« («arc.«) und »pizzicato« («pizz.«). Ist in der Kontrabass-Stimme »arco« notiert, so werden die Saiten mit dem Bogen gestrichen. Bei »pizzicato« werden die Saiten mit der rechten Hand gezupft. Verlegt man den Punkt, an dem die Saite gezupft wird, in Richtung Sattel (es gibt wegen der Griffhand eine Grenze), so klingt das Pizzicato leiser und zurückhaltender. Das Pizzicato wird klarer und lauter, wenn man den Punkt, an dem die Saite gezupft wird, in Richtung des Stegs verschiebt (ungefähr bis Ende des Griffbretts). Wird der Kontrabass nun »arco« gespielt, so unterscheiden wir zwei Grundstriche. Beim Aufstrich wird der Bogen von der Spitze zum Frosch über die Saiten geführt. Beim Abstrich wird der Bogen genau andersherum, also vom Frosch zur Spitze, über die Saiten geführt.

Der Wechsel von Auf- zu Abstrich (oder umgekehrt) wird als Strichwechsel bezeichnet. Abstriche haben eine größere Klangkraft als Aufstriche, letztere sind dafür einfacher in Richtung einer leisen Dynamik zu entwickeln. Aus diesem Grund verwendet man für Schwerpunkte – zum Beispiel betonte Taktteile und Akzente – nach Möglichkeit einen Abstrich und für unbetonte Taktteile einen Aufstrich. Aufstriche haben eine Tendenz zum Crescendo, Abstriche eine Tendenz zum De crescendo. Die in Abbildung 6 dargestellten Symbole für den Auf- und Abstrich leiten sich vom Aussehen der Bogen-Spitze beziehungsweise des Frosches ab.

Die Stricharten werden danach unterschieden, wie der Ton mit dem Bogen produziert wird und wie viele Töne pro Bogenstrich (also Auf- oder Abstrich) gespielt werden. Die Standardtechnik im Bereich »pro Bogenstrich ein Ton« ist das sogenannte »Détaché« (franz. »liegender Strich«). Hierbei wird der Bogen abwechselnd hin und her geführt, ohne dass er von der Saite abgehoben wird. Jeder Ton bekommt also einen Bogenstrich, das heißt, nach jedem Ton erfolgt ein Strichwechsel. Das Détaché ist die Spieltechnik, die im Unterricht als erstes gelehrt wird.

Eine Spieltechnik des betonten Détachés ist das »Martelé«. Hierbei handelt es sich um eine akzentuierte Spielweise, bei der die Saite mit dem Bogen angerissen wird und der Druck anschließend sofort aus dem Bogen genommen wird, sodass dieser auf der Saite ausschwingt. Es entsteht hierbei ein harter und »gehämmerter « Klang mit kurzen Pausen zwischen den Tönen. Soll eine Stelle im Martelé ausgeführt werden, so wird diese häufig mit »Keilen« (zum Beispiel bei Mozart) oder einer Kombination aus Staccato-Punkten und Akzenten bezeichnet, selten auch mit »Martelé« überschrieben.

Beim sogenannten »Spiccato« (ital. »tanzen/springen«) wird der Bogen etwas in die Saite gedrückt und dann die Spannung gelöst. Das Eindrücken und Lösen des Bogens ist nur zu Beginn einer Spiccato-Passage notwendig. Bei den nachfolgenden Strichen ergibt sich der Springeffekt infolge der Elastizität des Bogens von alleine. Der Bogen pendelt dann hin und her und wird von den Fingern der rechten Hand kontrolliert. Durch das Spiccato kann bei technischen Passagen in einem schnellen Tempo eine größere Klarheit erreicht werden als bei einem normalen Détaché. Ob eine Stelle im Spiccato gespielt wird, ist teilweise auch eine Frage der Interpretation. Im Bereich der Klassik wurde beispielsweise das Trio der 5. Sinfonie von Beethoven früher Détaché gespielt. Heute wird es aus oben genannten Gründen eher im Spiccato realisiert.

Beim »Sautillé« handelt es sich um ein sehr schnelles Spiccato, bei dem der Bogen allerdings nicht mehr richtig von der Saite wegspringt. Die Bogenhaare bleiben im Kontakt mit der Saite, lediglich das Holz der Bogenstange springt noch. Durch das zwei- bis dreimalige Abprallen des Bogens entsteht eine sich fast auf der Stelle bewegende Auf- und Abstrichbewegung. Das Sautillé hat einen leicht perkussiven Klangcharakter, der sich gut für kurze Repe titionsgruppen eignet, wie sie für Akkorde in Begleitfiguren üblich sind. Das Sautillé wird vorwiegend im dynamischen Bereich unter dem Mezzopiano ausgeführt. Durch die Wahl einer geschickten Kontaktstelle des Bogens (Richtung Steg) ist das Sautillé auch im Mezzoforte bis Forte möglich, was aber eine ausgesprochene Kontrolle der rechten Hand erfordert. Im Sinfonieorchester werden viele Piano- oder Pianissimo-Passagen im Sautillé ausgeführt.

Das Sautillé ist die schwierigste Strichart und stellt auch für Profi-Kontrabassisten oftmals eine Herausforderung dar. Entsprechend haben Amateurmusiker mit dieser Spieltechnik oft Probleme, da die Kontrolle des Bogens sehr schwer ist. Wenn die Kontrabass-Stimme in hohem Tempo klanglich ungenau wird, muss sie im Spiccato oder Sautillé realisiert werden. Im Regelfall ist in der Partitur nicht angegeben, ob eine Passage im Spiccato oder Sautillé gespielt werden soll. Die Wahl der Spieltechnik muss in diesem Fall der Dirigent treffen. Insbesondere gilt es, das »Staccato« musikhistorisch korrekt umzusetzen, worauf ich später detaillierter eingehen werde.

Die Grundtechnik im Bereich »mehrere Töne auf einen Bogenstrich« ist das Legato. Hierbei wird eine Tongruppe ohne Strichwechsel »auf einem Bogen« gespielt. In Tempo 80 können ungefähr acht Viertel ohne Strichwechsel auf einem Bogen gespielt werden, der Bogenverbrauch ist umso größer je lauter man spielt. Durch Verlegen der Kontaktstelle des Bogens in Richtung Steg kann auch mit sehr wenig Bogen sehr laut gespielt werden – dann ist der Klang allerdings zunehmend »gepresst« und »metallisch«. Bei sehr langen Phrasen kann es sein, dass es unmöglich ist, die ganze Phrase »auf einen Bogen« zu nehmen. Diese Phrase wird dann in gerade Tongruppen aufgeteilt. Ungerade Gruppen werden möglichst gleichmäßig aufgeteilt. Können beispielsweise sieben Töne nicht auf einen Bogen genommen werden, teilt man sie – musikalisch sinnvoll – in zwei Gruppen auf (3 + 4 oder 4 + 3 Töne). Durch die Phrasierung können sich Ausnahmen von diesem Vorgehen ergeben. Die Notation ist analog zum Legato bei Bläsern.

Beim sogenannten »Louré« handelt es ich um ein schweres Legato. Auch hier werden mehrere Töne auf einem Bogenstrich ausgeführt. Der Unterschied zum Legato besteht darin, dass zwischen den einzelnen Tönen kleine Zäsuren entstehen, wobei der Legato-Eindruck generell erhalten bleibt. Die Notation des Louré erfolgt durch Tenuto-Striche unter einem Legato-Bogen. Mit dem Louré verwandt sind die Spieltechniken des »Portato« und »Tenuto«. Bei beiden Techniken erhält jeder Tonanfang eine leichte Betonung und der Ton wird in seiner vollen Länge gehalten. Es entsteht dabei der Eindruck eines Non-Legato. Beim Portato ist die Zäsur zwischen den einzelnen Tönen kürzer als beim Tenuto. Staccato-Punkte unter einem Legato-Bogen zeigen das Portato an. Diese Notation kann auch als getrenntes Détaché übersetzt werden. Das Tenuto wird mit Tenuto-Strichen analog zu den Bläsern notiert.

Das »Staccato« wird durch kurze Striche auf einem Bogenstrich erzeugt. Im klassischen Bereich ist bei Staccato-Punkten Vorsicht geboten, da damit sowohl ein Staccato als auch ein Spiccato gemeint sein kann. Oftmals wurden diese Punkte nachträglich vom Herausgeber ergänzt. Sie können teilweise auch kraftvoll und akzentuiert bedeuten, zudem sind bei verschiedenen Komponisten unterschiedliche Notationen und Interpretationen üblich. Historisch betrachtet wird eine leichte Spielweise als Spiccato realisiert. Ein Staccato kann mit einem kurz gespielten Détaché übersetzt werden. Ab der Romantik heißt ein Punkt dann tatsächlich in jedem Fall Staccato. Es gibt noch einige weitere Stricharten auf die ich stichpunktartig eingehen möchte (siehe Infobox »Besondere Stricharten« linke Seite oben).

Besondere Stricharten

  • Ricochet: Der Bogen wird auf die Saite geworfen und springt mehrere Male geplant. Es können so Gruppen von mehreren Tönen gespielt werden, dann muss der Bogen neu geworfen werden. Die Technik ist im dynamischen Bereich vom Piano bis Mezzoforte und als Auf- und Abstrich realisierbar.
  • Sul Ponticello: Es wird mit dem Bogen nahe am Steg gespielt. Es ergibt sich ein gläserner und obertonreicher Klang. Je mehr man sich dem Steg nähert, umso stärker wird der Klang.
  • Con Sordino: Mit Dämpfer (Holz oder Plastik) auf dem Steg.
  • Bogentremolo: Schnelle Folge von kurzen Auf- und Abstrichen (ohne Akzente oder Rhythmus) mit der Spitze des Bogens auf einem Ton. Wird eingesetzt, um Spannung und Klangsteigerungen zu erzeugen. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts eine übliche Streichertechnik.
  • Col Legno: Die Saiten werden nicht mit den Saiten des Bogens gestrichen, sondern mit dem Holz der Bogenstange geschlagen oder gestrichen.

Tipps & Tricks

Bei der Arbeit mit Amateurmusikern im Blasorchester können die folgenden Punkte hilfreich sein:

  • Lange Töne müssen auf dem Kontrabass genauso ausgespielt werden wie bei Bläsern. Gerne fehlt der letzte Schlag.
  • Um bei technischen Passagen mehr Klarheit zu erreichen, können diese mehr am Frosch gespielt werden. Es gilt die folgende Faustregel: Je näher am Frosch, um so prägnanter.
  • Weitere Faustregel: Je näher man mit dem Bogen am Steg spielt, umso sonorer wird der Ton.
  • Folgt auf einen Pizzicato-Ton eine Pause, so darf nicht nur der reine Notenwert mit Vibrato gespielt wird. Die darauffolgende Pause muss ebenfalls mit Vibrato gespielt werden, da der Ton noch nachklingt.
  • Um als Dirigent ein Gespür für den Kontrabass und dessen enorme Klangkraft zu bekommen, bieten sich Satzproben mit einem oder mehreren Kontrabässen und den Tuben an.

Beim Einrichten der Stimme vor der ersten Probe müssen wir Blasorchesterdirigenten darüber nachdenken, welche Stellen mit Aufstrich und welche mit Abstrich gespielt werden sollen. Technisch betrachtet sind alle Stellen mit Auf- oder Abstich spielbar, es gibt nur wenige Ausnahmen bei sehr schnellen Passagen. Neben den oben bereits erwähnten Zusammenhängen gibt es noch weitere Regeln. So werden ternäre Figuren (Triolen, Walzer, 3/₈-Takte etc.) im Regelfall mit einem Abstrich und zwei Aufstrichen gespielt. Wenn mehrere ternäre Figuren aufeinander folgen, werden diese häufig Détaché (»hin und her«) gespielt. Leise Einsätze versucht man mit Aufstrich zu spielen.

Bei orgelpunktartig gehaltenen Tönen kann das Prinzip der chorischen Atmung auf den Kontrabass übertragen werden. Beim Kontrabass bedeutet dies, dass der Strichwechsel in diesem Fall nicht einheitlich, sondern von den Musikern an unterschiedlichen Stellen erfolgt. Außerdem kann es sinnvoll sein, dass der entsprechende Ton von einem Teil der Kontrabässe mit Aufstrich und vom anderen Teil mit Abstrich begonnen wird. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass mehr als ein Kontrabass zur Verfügung steht. Der Strichwechsel erfolgt am besten mit dem Einsatz eines anderen Instruments. Laute Stellen werden im Regelfall immer mit Vibrato gespielt, um ihnen mehr Volumen zu verleihen. Möchte man den Gegensatz von Forte und Piano betonen, so kann im Pizzicato eine Piano-Stelle auch ohne Vibrato gespielt werden. Um die Präzision und Klarheit zu steigern, können lange Noten etwas abgekürzt werden.

Im professionellen Orchesterbetrieb sind zumeist zwar unterschiedliche Fingersätze, jedoch gemeinsame Bogenstriche üblich. Der Solobassist bestimmt die Strichrichtung, außer es wird vom Dirigenten etwas anderes angesagt. Im Amateurbereich sollte das Einrichten der Stimme vom Dirigenten begleitet werden. Ob beim Spielen gesessen oder gestanden wird, ist eine persönliche Angelegenheit und hat viel mit Anatomie zu tun. Da sich der Sattel auf Augenhöhe befinden sollte, stehen kleine Musiker eher und große Musiker sitzen eher. Beim Musizieren im Stehen kann leichter mehr Kraft eingesetzt werden, wobei dies technisch und klanglich aber nicht relevant ist. Im Profibereich ist – allein aus optischen Gründen – einheitlich geregelt, ob die Musiker sitzen oder stehen. In Deutschland wird meist im Sitzen gespielt, in den USA meist im Stehen.

Einstimmen

Beim Einstimmen des Kontrabasses werden die Obertöne der schwingenden Saiten miteinander verglichen. Da diese bei leeren Saiten aufgrund der überlagernden tiefen Frequenzen schwer zu hören sind, werden die Obertöne – sprich Flageoletts – direkt gespielt. Da diese aufgrund der physikalischen Gegebenheit des pythagoräischen Kommas tendenziell aber etwas zu tief sind, birgt das Stimmen über Flageoletts die Gefahr, den Kontrabass bei der Abnahme des Kammertones zu hoch einzustimmen. Gängige Praxis ist es daher, zusätzlich die leeren Saiten zu vergleichen.

Ab- & Aufstrich

Die folgende Abbildung zeigt die Symbole für Ab- und Aufstrich. Beim Abstrich wird der Bogen – aus Spielersicht – von links nach rechts geführt. Beim Aufstrich wird der Bogen – ebenfalls wieder aus Spielersicht – von rechts nach links geführt.

Abbildung 6

Taschenkarte für die Intonationskorrektur

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Haben Sie noch Fragen und Anregungen zum Kontrabass?

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